Von der Schrift zur Musik

23. April 2018 | 12:50

Typografie: Die Kunst der Schrift

Im Kurs „Typografie” bei Diplom Designer Christopher Jung setzen sich die Studierenden des Masters ,,Medien- und Spielekonzeption“ intensiv mit der sogenannten „Kunst der Schrift” als medialem Gestaltungsmittel auseinander. Die Typografie beschäftigt sich mit Gestaltungsprozessen durch Schrift, Bilder, Linien und Flächen und ist ein wichtiges Kommunikationsmittel zwischen Gestalter und Kunden.

 

Musik als eine Form der Kommunikation

Die Nutzung der Typografie als kommunikatives Mittel wird im Kurs anhand des Beispiels eines Schallplattencovers vermittelt. Die Studierenden erhalten die Aufgabe ein neues Design einer Schallplatte für einen Musiker oder eine Band ihrer Wahl zu erstellen. Bekanntheit des jeweiligen Albums oder der Single spielen dabei genauso wenig eine Rolle wie die Musikrichtung.

Doch worauf kommt es bei der Gestaltung eines Schallplattencovers an? Um den Studierenden erste Denkanstöße für ihr Projekt zu geben werden die gewählten Musikstücke in der Vorlesung zu Beginn vorgestellt. Der Fokus liegt hierbei zunächst auf der Beantwortung einfacher Fragen. Welche Gefühle weckt die Musik beim Zuhörer und welche Themen werden innerhalb der Liedtexte behandelt? Welche Mittel könnte man verwenden, um die Botschaft der Musik auf einem Cover optisch wiederzugeben?

Unter Leitung und Hilfe des Dozenten Christopher Jung beginnen die Studenten die Arbeit an ihren Designs. Gemäß der Veranstaltung Typografie wird ein besonderes Augenmerk auf die Gestaltung von Texten für das jeweilige Cover gelegt. Hierzu zählen neben dem Titel für das Frontcover auch die Gestaltung der Songtitel und -texte für die Rückseite der Plattenhülle sowie ein Aufdruck für die Platte. Die Studenten setzen sich mit der Vermittlung von Emotionen und Themen durch die Verwendung bestimmter Schriftarten auseinander. Welche Schriftarten können für Musikrichtungen wie etwa Rock und Metal verwendet werden und welche wären ungeeignet?

 

Gestaltung durch digitale und analoge Mittel

In Fragen der Gestaltungsmöglichkeiten und der zu verwendenden Mittel, werden den Studenten keine Grenzen gesetzt. Während einige von ihnen überwiegend mit Photoshop und anderen Bildbearbeitungsprogrammen arbeiten, hat sich ein Student in diesem Semester beispielsweise für die Gestaltung seines Plattencovers mit Linolschnitt entschieden. Hierbei wird in sogenannte Linolplatten, ähnlich wie im Holzdruckverfahren, ein Negativmuster geschnitten, anschließend wird das fertige Muster mit Farbe überstrichen und auf ein Papier gedruckt. Je nachdem, ob die Studenten eher den digitalen oder analogen Kunstmitteln zugetan sind, können sie ihre Arbeiten also auf ganz individuelle Art und Weise erstellen.

Auch der Umfang der abzugebenden Arbeit kann von den Studenten selbst entschieden werden. Das Plattencover mit typografischen Aspekten wie Albumtitel sowie Liedtitel und -texte sind feste Vorgaben für die Abgabe. Es steht den Studenten jedoch frei, noch weitere Produkte zu erstellen, die das Projekt zusätzlich ausbauen und erweitern. Beispiele dafür wären Plakate und Konzerttickets.

 

Sich mit der Musik fallen lassen

Während seine Studienkollegen Designs für die von ihnen gewählten Bands oder Singles entwerfen, hat sich Nicolas Wamsler dazu entschieden, einen eigenen Musik-Mix zusammenzustellen und diesen zu gestalten. „Ich hatte kein Album, das mich so richtig begeistert hat. Deswegen habe ich stattdessen einen Song als Liedtitel gewählt, den ich im Moment sehr gerne höre. Danach habe ich einfach weitere Songs gesucht, die gut zu dem ersten passen“, erklärt Nicolas in einem Gespräch.

Der dabei entstandene Mix beinhaltet Songs unterschiedlicher Künstler im Genre ,,Electronic Dance Music“ (EDM), eine Musikrichtung, welche sich hauptsächlich elektronischer Instrumente und synthetischer Klänge bedient. Das Thema, das Nicolas in seinem Projekt und durch sein Design ansprechen wollte, war das angenehme Gefühl, das Menschen empfinden, wenn sie Musik hören, die sie mögen. „Ich habe mich mit dem ‚sich gut fühlen‘ und dem Gefühl des ‚fallen lassens‘ beschäftigt,“ erklärt er weiter. „Man lässt sich mit der Musik gehen und taucht komplett darin ein.“

Plattencover (Front- und Rückseite), Ticket / Foto: Nicolas Wamsler

Plattencover (Front- und Rückseite), Ticket / Nicolas Wamsler

 

Dieses Gefühl des Fallens hat Nicolas in seiner Arbeit umgesetzt. Die Personen auf der Vorder- und Rückseite seines Plattencovers wirken völlig losgelöst und eingenommen von den Klängen, die aus ihren Kopfhörern dringen. Die Schriftart, die er verwendet hat, hat Nicolas im Internet gefunden. Gewählt hat er sie, da das gekleckste und spritzige Design gut zu der Gestaltung seines Covers passte.

Das Endergebnis hat den von Nicolas gewünschten Effekt. Sein Musik-Mix ,,We Are One“ wirkt bunt, angenehm und locker. Zusätzlich zu dem Plattencover hat er auch noch ein Konzertticket entworfen. Wenn man erst einmal so richtig in Fahrt kommt, fällt es schließlich schwer, einfach aufzuhören.